´Verzehr nicht gesundheitsschädlich´, aber: TASTY BITE (von MARS) ruft vier Curry-Gerichte mit ETHYLENOXID zurück

MARS Rückruf TASTY BITE Channa Masala Madras Bombay Thai Curry Nachdem das Unternehmen Mars (Sitz der deutschen GmbH: Verden (Aller)/NI) kürzlich noch » M&M’S Crispy-Produkte (Vorhandensein "gentechnisch veränderter Organismen") und diverse » Eiscreme-Produkte (Spuren von Ethylenoxid) zurückgerufen hat, folgt jetzt ein weiterer Rückruf von indischen Curry-Gerichten, in deren Zutaten "geringe Mengen an » Ethylenoxid (ETO)" gefunden wurden. Von der Marke  "TASTY BITE" sind ausschließlich die nachfolgend aufgeführten Produkte in 285 g-Packungen betroffen: "Channa Masala" (» EAN: 5 010034 009011), "Madras Curry" (EAN: 5 010034 009073), "Bombay Curry" (EAN: 5 010034 009059) sowie "Thai Curry" (EAN: 5 010034 009097). Von einem bundesweit erfolgten Verkauf ist auszugehen: bspw. informieren Aldi Süd, Netto und Rewe bereits auf ihren Internetseiten. KonsumentInnen, die betroffene Produkte gekauft und noch vorrätig haben, können sich mit den Produktdaten und Fotos der Verpackung unter » www.tastybite.de/schreibuns an den Verbraucherservice wenden. Mars: "Der Verzehr der Produkte ist nicht gesundheitsschädlich. Der Rückruf erfolgt, weil kein ETO vorhanden sein sollte." Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung "BfR" jedoch unmissverständlich: "Ethylenoxid ist erbgutverändernd und krebserzeugend. Einen Richtwert ohne Gesundheitsrisiko gibt es somit nicht" (Bildquelle: Mars GmbH).
» www.tastybite.de» deu.mars.com | » Weitere Informationen im PDF-Format
Lesenswert: bfr.de » "Gesundheitliche Bewertung von Ethylenoxid-Rückständen" (PDF)

 


 

Für Interessierte ein Kommentar von Prof. Dr. Alfred Hagen Meyer (» meyer.rechtsanwaltsgesellschaft mbH, München):

"Die Europäische Kommission gab in der Sitzung der EU-Krisenkoordinatoren Ende Juli 2021 die Leitlinie vor, nach Prüfung des juristischen Dienstes der KOM (nicht der EFSA wohlgemerkt) müssten Lebensmittel, von denen bekannt wäre, „sie [enthielten] einen mit Ethylenoxid verunreinigten Zusatzstoff E 410“ (nach Sesam die nächste „Welle“), zurückgenommen und zurückgerufen werden.

ETO ist jedoch stark flüchtig und sehr reaktiv; aufgrund dessen ergeben nahezu alle differenziert in Auftrag gegebenen Untersuchungen eine vollständige Umwandlung von ETO zu 2-Chlorethanol (2-CE). Aufgrund rechtlich definierter Rückstandsdefinition erfolgt zwar selbst bei ausschließlicher Anwesenheit von 2-CE im Lebensmittel die Angabe des Ergebnisses ausgedrückt (d.h. umgerechnet) in ETO. Dies schließt aber eine Risikobewertung in Hinblick auf den in fast allen Fällen alleinig detektierten Rückstand von 2-CE keineswegs aus.

2-CE ist in vivo nicht genotoxisch, so einhellige Meinung des SCF (2002), der EPA (2012) und der MAK-Kommission (2019). Das Scientific Committee on Food stellte fest“2-chloroethanol is a reaction product of ethylene oxide with chloride” und “2-Chloroethanol is not carcinogenic to laboratory animals and is not genotoxic in vivo“(Opinion of the SCF on Impurities of 1,4-dioxane, 2-chloroethanol and mono- and diethylene glycol in currently permitted food additives and in proposed use of ethyl hydroxyethyl cellulose in gluten-free bread; 4 December 2002).

In der aktualisierte Stellungnahme des BfR (Nr. 024/2021 vom 20. Juli 2021) werden aber die von anderen Risk Assessment Bodies (SCF, EFSA, EMA und EPA) bereits durchgeführten gesundheitlichen Bewertung bezüglich Ethylenoxid und 2-Chlorethanol nicht erwähnt.

In Bezug auf 2-CE kann daher gemäß den drei behördlichen Bewertungen ein Schwellenwert-Ansatz für die Risikobewertung angewandt werden.

Aufgrund dieser Fakten ist es essenziell, dass bei der Angabe analytischer Ergebnisse nicht nur auf die rechtliche Rückstandsdefinition (d.h. Summe von Ethylenoxid) verwiesen wird, sondern immer auch eine separate Angabe der Einzelkomponenten ETO und 2-CE erfolgt. Auf dieser Basis sollte dann im Einzelfall stets eine Risikobewertung (in der Regel derzeit für den meist allein detektierten Rückstand von 2-Chlorethanol) durchgeführt werden, um darauf basierend eventuelle Maßnahmen umzusetzen.

Dies wird leider vielerorts vernachlässigt."

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