Bundesinstitut für Risikobewertung warnt: ´Freisetzung von Metallen aus emaillierten Grillrosten´

Bundesinstitut für RisikobewertungMitten in der Grillsaison veröffentlicht das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine  "Stellungnahme" zu mit Emaille beschichteten Grillrosten. Bereits im Jahr 2017 haben Überwachungsbehörden zweier Bundesländer emaillierte Grillroste hinsichtlich einer möglichen Abgabe darin enthaltener Elemente Aluminium, Antimon, Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Eisen, Kobalt, Lithium und Nickel an das Grillgut untersucht. Das BfR: "Die Risikobewertung zeigt, dass die emaillierten Grillroste, aus denen Arsen und Nickel in Mengen deutlich oberhalb der vom BfR abgeleiteten akzeptablen Expositionswerte ins Lebensmittel übergehen, nicht zum Grillen von Speisen verwendet werden sollten." Welche Grills betroffen waren bzw. noch sind, erfahren VerbraucherInnen (mal wieder) nicht! Zum Hintergrund: In Niedersachsen wurden acht Grillroste des gleichen Gerätemodells, in Nordrhein-Westfalen acht Grillroste verschiedener Hersteller bzw. Serien und zwei Grillschalen geprüft. Auszug aus dem Ergebnis: "Insgesamt zeigt sich, dass die Elementlässigkeit des in Niedersachsen getesteten Grillrostes die abgeleiteten akzeptablen Expositionswerte für Aluminium, Antimon, Arsen und Nickel zum Teil deutlich überschreitet (...) Für das Element Nickel wird eine Gesundheitsgefährdung aufgrund der gemessenen Elementlässigkeit für möglich gehalten. Für Arsen kann aufgrund seiner Kanzerogenität keine sichere Exposition abgeleitet werden. Insbesondere unter Berücksichtigung der bereits über Lebensmittel aufgenommenen Menge an Arsen stellen die gemessenen Übergänge aus der Sicht des BfR daher ein mögliches Gesundheitsrisiko dar. Diese Einschätzung gilt entsprechend für in Nordrhein-Westfalen getestete Produkte, deren Elementfreisetzungen die akzeptablen Expositionswerte überschreiten." Das BfR zu » Nickel: "Bei chronischer oraler Nickelexposition tritt eine Vielzahl adverser Effekte, bspw. auf die Verdauungsorgane (vor allem Leber und Niere) sowie das Nerven- und Immunsystem, auf. Zudem sind Nickelionen plazentagängig, und bereits bei sehr niedrigen Dosen treten reproduktions- und entwicklungstoxische Effekte auf"; zu » Arsen : "Arsen wird beim Menschen rasch aus dem Blut und vor allem in die Organe Leber, Niere, Milz und Lunge transportiert. Nach einigen Wochen verlagert es sich in Gewebe mit hoher Konzentration an schwefelhaltigen Proteinen wie Haare, Nägel und Haut."
» www.bfr.bund.de | » Direktlink zu weiteren Informationen im PDF-Format

Wissenswert: Bei einem Grill handelt es sich um einen "Bedarfsgegenstand mit Lebensmittelkontakt".

 

Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch
(Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch - LFGB)
§ 30 Verbote zum Schutz der Gesundheit

Es ist verboten,

  1. Bedarfsgegenstände für andere derart herzustellen oder zu behandeln, dass sie bei bestimmungsgemäßem oder vorauszusehendem Gebrauch geeignet sind, die Gesundheit durch ihre stoffliche Zusammensetzung, insbesondere durch toxikologisch wirksame Stoffe oder durch Verunreinigungen, zu schädigen,
  2. Gegenstände oder Mittel, die bei bestimmungsgemäßem oder vorauszusehendem Gebrauch geeignet sind, die Gesundheit durch ihre stoffliche Zusammensetzung, insbesondere durch toxikologisch wirksame Stoffe oder durch Verunreinigungen, zu schädigen, als Bedarfsgegenstände in den Verkehr zu bringen,
  3. Bedarfsgegenstände im Sinne des § 2 Absatz 6 Satz 1 Nummer 1 bei dem Herstellen oder Behandeln von Lebensmitteln so zu verwenden, dass die Bedarfsgegenstände geeignet sind, bei der Aufnahme der Lebensmittel die Gesundheit zu schädigen.

Bleibt (mal wieder) abzuwarten, was kommt? Alleine die (recht unverbindlich klingende) "Empfehlung", dass emaillierte Grillroste, aus denen Arsen und Nickel in Mengen deutlich oberhalb der vom BfR abgeleiteten akzeptablen Expositionswerte ins Lebensmittel übergehen, "nicht zum Grillen von Speisen verwendet werden sollten", wird VerbraucherInnen sicherlich (mal wieder) nur sehr bedingt erreichen. Eine für die effektive Verbraucherinformation erforderliche konkrete Benennung betroffener Modelle sowie eine wirksame "Bereinigung" des Marktes dürften aufgrund klarer lebensmittelrechtlicher Vorgaben eigentlich nicht das Problem sein - wenn man nur will und den Verbraucherschutz in Deutschland (mal wieder) ernst nimmt.

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